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Palais Sommer: Aktmalerei beim Plein Air

Eigentlich wollte Johanna nach dem Frühstück nur ein bisschen Sonne genießen und hatte sich in der Nähe vom Japanischen Palais auf die Wiese an der Elbe gelegt. Jetzt sitzt sie kerzengerade und mit unbewegter Mine auf einem Hocker, hält eine goldene Kugel in der Hand und ist in ein Tuch gehüllt, das nur ihre Schultern und die Füße frei lässt. Der Grund für diese plötzliche Änderung in der Tagesplanung heißt Aleko Adamia. Der georgische Maler veranstaltet das Plein Air beim Palaissommer. Heute steht Aktmalerei auf dem Programm und eines der beiden Modelle war nicht gekommen. „Da habe ich die junge Frau angesprochen, die hier beim Sonnenbaden lag. Sie hat spontan zugesagt“, erzählt Adamia und ist froh, dass sich seine zwanzig Plein Air-Künstler nicht alle um ein Modell scharen müssen. Die 22-jährige Chemiestudentin wird allerdings verhüllt bleiben. Für die Aktmalerei hat Adamia ein Modell engagiert, mit dem er bereits zusammengearbeitet hat. Sie nennt sich „die Muse“. Es ist schon etwas anderes, hier im Freien und mit viel Publikum als Aktmodell zu arbeiten.

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Die 22-jährige Johanna wollte eigentlich nur in die Sonne. Jetzt sitzt sie Modell für Elene Okaidse. Foto: W. Schenk

Das heutige Malen ist für die zwanzig Künstler als „Warmlaufen“ für das Thema Aktmalerei gedacht, erklärt Adamia. Kommenden Sonntag werde das Gemälde „Frühstück im Grünen“ von Édouard Manet hier für die Malerinnen und Maler arrangiert. Eine nackte Frau bei zwei bekleideten Männern sitzend. Das sei 1863 ein gewagtes Motiv gewesen. In einer Woche können die Künstler ihre Interpretation auf der Leinwand festhalten.

Seit dem 1. August arbeiten die etwa zwanzig zum Plein Air eingeladenene Profis und Autodidakten täglich am Elbufer unter der Leitung von Adamia. „Wir haben Künstler aus Italien, Polen, Russland, von der Tbilisi State Academy of Art und der Hochschule für bildende Künste Dresden dabei“, sagt er. Am 23. August werde eine Jury den begehrten Canaletto-Preis für eines der hier entstandenen Gemälde verleihen. Vergangenes Jahr bekam Iola Nizamutdinova aus Tbilisi den Preis. Sie ist auch in diesem Jahr dabei und steht mit ihrer Staffelei in der Gruppe um das Spontan-Modell Johanna. „Es macht sehr viel Spaß hier, besonders bei dem Wetter“, meint die junge Künstlerin. Vielleicht gelingt ihr ja auch in diesem Jahr wieder ein Meisterwerk.

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Iola Nizamutdinova ist begeistert vom Plein Air in Dresden. Sie gewann im vergangenen Jahr den Canaletto-Preis. Foto: W. Schenk

Ulrike Pisch aus Berlin hat von 1999 bis 2004 in Dresden studiert und nimmt zum ersten Mal an dem Plein Air teil. „Es ist eine ganz andere Herausforderung, im Freien zu arbeiten“, meint sie. Durch die Umgebung, die anderen Maler, das Publikum, das wandernde Licht wirkten ganz andere Impulse, mit denen man sich aufladen könne. „Dann passiert oft etwas anderes, als man vorher geplant hat“, schildert sie ihre Eindrücke. Wieviele Bilder sie in den knapp vier Wochen malen werde, weiß sie noch nicht. „Vielleicht fünf, vielleicht zehn. Angefangenes kann ich auch später fertig malen“, sagt sie.

Bei der Maler-Gruppe um das Modell „die Muse“ steht auch Kerstin Wandsleb. Die Dresdnerin ist begeistert vom Palais Sommer, war schon bei zwei Konzerten am Abend dabei. Eine solche Veranstaltung „passt hervorragend zu einer Kulturstadt wie Dresden“, sagt sie. Es sei außergewöhnlich, dass so viel Kultur kostenlos für das Publikum angeboten wird und sie fügt hinzu: „Ich würde auch Eintritt bezahlen“.

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