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Dresden wächst schneller als erwartet – Wohnungsbau muss beschleunigt werden

Dresden wächst schneller als die Prognose für 2025 vorhersagt. Während 2011 noch mit 551.000 Einwohnern gerechnet wurde, musste die Zahl ein Jahr später schon um 5.000 Einwohner auf 556.000 erhöht werden. Bei der Prognose 2013 wird noch einmal mit einer deutlichen Korrektur nach oben gerechnet. Wegen der Arbeitsbelastung durch die Kommunalwahl werden die Statistiker die neueste Vorhersage voraussichtlich erst Ende Juli vorlegen. Zum 31.12. 2013 wohnten 535.810 Menschen in der Landeshauptstadt.

Marx Jörn

Baubürgermeister Jörn Marx (CDU): Flächen zum Bauen von Wohnungen sind ausreichend vorhanden. Foto: W. Schenk

Das bedeutet, dass Dresden in den nächsten zehn Jahren um etwa 20.000 bis 25.000 Einwohner wächst  und nicht nur 16.000, wie noch 2011 angenommen. Das bedeutet auch, dass entsprechend mehr Wohnraum benötigt wird. Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) überraschen diese Zahlen nicht.“Wir haben sowohl für Eigenheime als auch für Mehrfamilienhäuser ausreichend Potenzial für Bauflächen“, sagt er. 12.600 Eigenheime und 20.500 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern können auf diesen Flächen entstehen. Die Nachfrage  sei derzeit allerdings noch deutlich geringer und liege bei 6.000 Eigenheimen und 6.200 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

Wer durch die Innenstadt geht, kann vor allem die in diesem Frühjahr begonnenen Wohnbauprojekte sehen. Am Wiener Platz werden 250 Wohnungen gebaut, im Gebiet An der Herzogin Garten entstehen 290 Wohnungen, für die Wallstraße sind 170 Wohnungen geplant, in der oberen Neustadt kommen im 3. Bauabschnitt weitere 100 Wohnungen hinzu. Insgesamt werden bis 2016 in der Innenstadt an verschiedenen Standorten 1300 neue Wohnungen entstehen.

Außerhalb der Innenstadt kommen bis 2019 weitere 3.000 Wohnungen hinzu, erklärt Marx. Die wichtigsten Vorhaben seien hier das Gebiet am Wasserturm in Klotzsche mit 152 Wohneinheiten, das Markus-Areal in Pieschen mit 90 Wohnungen oder das Bauvorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei an der Geisingstraße mit 350 Wohnungen. Auch an der Kesselsdorfer Straße entstehen nach seinen Worten in einem Geschäftsgebäude fast 100 Appartementwohnungen.

Wohnungsentwicklung im Stadtgebiet (verschiedene Planungsstadien):

  • Klotzsche, Am Wasserturm, 12 Hektar, 152 Wohneinheiten
  • Kaditz-Mickten, 22 Hektar, 1.000 Wohneinheiten, stufenweise Umsetzung
  • Markus-Areal, 3,2 Hektar, 90 Wohneinheiten
  • Klotzsche, Travemünder Straße, 17,5 Hektar, 130 Wohneinheiten, davon 100 Einfamilienhäuser
  • Langebrück, An der Heide, 6,6 Hektar, 60 Eigenheime
  • Weißer Hirsch, Lahmann-Sanatoriumm 3,6 Hektarm 89 Wohnungen + 14 Reihenhäuser
  • Kleinzschachwitzer Ufer, 3,6 Hektar, 40 Wohneinheiten, davon 18 in Einfamilienhäusern
  • Leubnitz-Neuostra, 17 Hektar, cirka 150 Eigenheime
  • Nickern, 8 Hektar, 110 Einfamilienhäuser oder 80 Eigenheime und 8 Mehrfamilienhäuser
  • Zentralwerk Riesaer Straße, 20 Wohneinheiten und 49 Ateliers
  • Blasewitz, Berggartenstraße, 0,68 Hektar, 50 Wohneinheiten
  • Comeniusstraße/Stübelallee, 0,84 Hektar, 90 Wohneinheiten
  • Geisingstraße/ehemalige Gärtnerei, 3,1 Hektar, cirka 350 Wohneinheiten
  • Kesselsdorfer Straße, 97 Appartementwohnungen in Geschäftsgebäude

Beim Markus-Areal habe es einige Jahre gedauert, bis aus dem wilden Parkplatz ein Gebiet wurde, auf dem Wohnungsbau geplant werden konnte. „Mit einem sogenannten Umlegungsverfahren konnten wir die Grundstücke mehrerer Eigentümern neu sortieren“, erläutert Marx. Das funktioniert so, dass alle Eigentümer ihre Flächen in das große Baugrundstück einbringen. Dann wird die Fläche so neu sortiert, dass jeder Eigentümer eine vernünftig zugeschnittene Fläche bekommt, ohne dass er einen Wertverlust erleidet. „Das sind oft sehr aufwändige Gespräche. Es gibt Fälle, wo seit zehn bis fünfzehn Jahren versucht wird, eine Einigung mit den Eigentümern herzustellen“, sagt Marx. Wenn der Eigentümer andere Vorstellungen hat, „sind uns die Hände gebunden“. Wichtigstes Problem bei der Aktivierung der Bebauungsflächen sei die Einigung mit den Eigentümern, betont Marx.

Zweitwichtiges Problem sind die gesetzlichen Vorschriften, die immer wieder zu Verzögerungen führten. Besonders wenn im Innenstadtbereich Wohnungen in der Nähe von Gewerbe entstehen sollen, oder wenn Vorschriften aus Denkmalschutz und Naturschutz zu beachten sind. Marx kennt einen Fall, bei dem auf einem lange brachliegenden Grundstück mit einem denkmalgeschützten Haus inzwischen ein Biotop entstanden ist, das nicht ersetzt werden kann. „Jetzt legen sich Denkmalschutz und Naturschutz gegenseitig lahm und eine Lösung ist nicht in Sicht“, meint er. Sobald ein Artenschutzgutachten erstellt werden müsse, verzögert dies das Genehmigungsprozedere schon mal um ein Jahr. Hier müsse eine Vegetationsperiode abgewartet werden, so die Vorschriften. Beim Erschließen neuer Wohnungsbaugebiete stoße man oft auch auf den Protest der Anlieger, die sich gegen mehr Autoverkehr aussprechen. Dann stünden in der Regel zeitraubende Gespräche und Verhandlungen an.

Will die Stadt die für den Wohnungsbau geplanten Flächen aktivieren, sind es in den nächsten Jahren genau viele dieser Konflikte, die von den Planungsbehörden gelöst werden müssen. Bis 2030 wird die Bevölkerung auf jeden Fall wachsen, so die Prognosen. Erst danach ist mit leichter Entspannung zu rechnen.

Ob Marx jetzt froh ist, dass ihm Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) die Federführung für das Wohnkonzept aus der Hand genommen hat, wollte er nicht kommentieren. Zumindest wurde er von ihr vorher nicht informiert. Das Wohnkonzept ist im Sozialauschuss des Stadtrates und im Stadtrat selbst wegen seiner sozialpolitischen Unausgewogenheit durchgefallen. Ausgerechnet der für Ordnung und Sicherheit und die Statistik zuständige Zweite Bürgermeister Stefan Sittel soll es nun richten.

 

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